Meine HSK3-Prüfung nach weniger als 500 Tagen Chinesisch

Die vergangenen Monate war es ruhig auf diesem Blog, was insbesondere einer arbeitsreichen Zeit im Februar geschuldet war. Rückblickend war die Zeit extrem stressig, doch das Chinesischlernen blieb ein beständiger Begleiter, dem ich mich nicht jeden Tag im erhofften Umfang widmete, aber dennoch täglich in mein Leben integrierte. In den letzten Tagen wurde mir wieder einmal deutlich, wie schnell man kleine Fortschritte beim eigenen Lernprozess vergisst – insbesondere, wenn man mal wieder durch eines der üblichen Motivationstäler gehen muss, die ein normaler Teil dieses Prozesses sind. Um mir dies rückblickend klarer vor Augen führen zu können, habe ich den festen Entschluss gefasst, zum Ende des Monats den Fortschritt wiederum genauer zu dokumentieren.

Das Hadern mit dem HSK-Modell

In meinem – zugegeben weit zurückliegenden – Januarrückblick machte ich bereits deutlich, dass ich einige Zweifel am weiteren Lernprozess hatte. Ich empfinde das HSK-Vokabular der Version 2.0 weiterhin als zum Teil eher unnütz, was jedoch nichts daran ändert, dass ich mich schließlich doch dazu entschlossen habe, dem Konzept zu folgen. Der Hauptgrund liegt schlichtweg darin, meinen Fortschritt nicht nur messbar, sondern auch gegenüber Dritten klarer kommunizierbar zu machen. „Ich kann über Thema X sprechen.“ oder „Ich beherrsche ca. Y Wörter.“ sind letztlich andere Aussagen als: „Ich habe die HSK-Stufe Z bestanden.“

So hatte ich das HSK-3-Vokabular (Version 2.0) längst gelernt und habe – zum Zeitpunkt, an dem ich diese Zeilen schreibe – zumindest schon die Hälfte des HSK-4-Vokabulars in Skritter gesehen. Entgegen meines ursprünglichen Plans lernte ich also nicht mit der Version 3.0 weiter, was vor allem mit den Gedanken aus dem vorigen Absatz zu tun hatte. Ich will im nächsten Jahr die HSK-4-Prüfung ablegen. Davor gab es jedoch zunächst noch einen anderen Schritt zu tun: Ende März meldete ich mich zur HSK-3-Prüfung an.

Anmeldung im zweiten Anlauf erfolgreich

Ganz ursprünglich hatte ich bereits im vergangenen Jahr geplant, die HSK-2-Prüfung zu machen. Die Prüfungen werden in Hannover am Konfuzius-Institut an zwei Terminen im Jahr angeboten, wobei es alternativ auch Möglichkeiten in anderen Städten im Norden gäbe. In jedem Fall ist es ein zentraler Test, der von China aus koordiniert wird und entsprechend ein paar kleinere Hürden mit sich bringt.

Diese wiederum waren mir als einsamem Lerner auf meiner 小的中国岛, meiner kleinen chinesischen Insel, zunächst gar nicht bewusst. Ich meldete mich im letzten Herbst pünktlich zur HSK-Prüfung an und überwies die nachvollziehbare Prüfungsgebühr. Was ich damals jedoch zu leicht überlesen hatte, war der Umstand, dass zeitgleich eine Anmeldung auf der zentralen chinesischen Website erfolgen musste. Ich stellte dies erst unmittelbar vor dem Prüfungstag fest – und so war es im letzten Jahr zu spät.

Bis dahin hatte ich keinerlei HSK-Prüfungserfahrungen, was mich Ende März durchaus ins Grübeln brachte: Sollte ich mich für die HSK-2-Prüfung anmelden, die ich inzwischen mit Leichtigkeit bestehen sollte – oder für die HSK-3-Prüfung? Für letztere sollte ich das entsprechende Sprachniveau erworben haben, doch letztlich kannte ich den Prüfungsablauf nur aus Beschreibungen im Internet. Und häufig genug gilt für Prüfungen: Das Prüfungsergebnis gibt in erster Linie einen Hinweis darauf, wie gut man darin ist, die jeweilige Prüfung zu bestehen.

Dass ich im Unterricht oder beim Hören zunehmend spürbare Fortschritte machte, Wörter außerhalb des HSK-Kanons kenne und meine Sprachkenntnisse in kleinen Alltagssituationen unter Beweis stellen konnte, interessiert in einer Prüfungssituation nicht. Die Prüfung prüft, wie gut du sie bestehst. Dass ich Ausdrücke wie 皮鞋 (Lederschuhe), 爬山 (einen Berg besteigen) oder 留学 (im Ausland studieren) äußerst selten in natürlichen Gesprächen benötige, steht dabei nicht zur Debatte.

Meine Vorbereitung auf die HSK-3-Prüfung

Wie dem auch sei: Ich meldete mich an und prüfte dieses Mal alles mehrfach, um nicht erneut einen ärgerlichen Fehler zu begehen. Hinzu kam, dass man ab der Stufe HSK 3 nicht nur den schriftlichen Test absolvieren muss, sondern ergänzend auch die Grundstufe der mündlichen HSKK-Prüfung bewältigen muss. Eine Tatsache, die ich im Vorfeld zwar gehört hatte, die mir aber erst mit meiner Anmeldung wirklich bewusst wurde.

Am Tag der Anmeldung blieben noch gut sechs Wochen bis zur eigentlichen Prüfung, und meine gezielte Vorbereitung begann – die unterm Strich wohl weniger gezielt war, als sie es hätte sein können. Ich kaufte mir zwar extra die HSK-3-Bücher, die im Internet immer wieder empfohlen wurden, doch konnte ich mich dafür nicht begeistern. Auch die Prüfung reichte nicht aus, um genügend extrinsische Motivation zu erzeugen, damit zu beginnen.

App „SuperTest“ mit Beispiel-HSK-Prüfungen

Letztlich setzte ich meinen normalen täglichen Lernprozess fort, da die HSK-Prüfung für mich von vornherein nur eine Zwischenetappe sein sollte. Der einzige große Unterschied lag darin, dass ich insgesamt sieben der zehn Beispielprüfungen mit der „Super Test“-App absolvierte und zwei weitere mit einer HSK-3-App. Der Umstand, dass ich selbst die ersten Prüfungen auf Anhieb (wenn auch nur knapp) bestanden hatte und von Mal zu Mal besser wurde, bestätigte mich darin, keine übermäßige Zeit in die Prüfungsvorbereitung zu investieren. Letztlich hing vom Testergebnis für mich keine Studiennote oder Ähnliches ab.

Ich bin zu alt für Prüfungen

Am Prüfungstag sollte mein Prüfungszeitfenster am Nachmittag öffnen, sodass der Tag eigentlich entspannt beginnen konnte. Uneigentlich rechnete ich mehrfach mittels Google Maps aus, wann ich spätestens mit genügend Zeitpuffer losfahren sollte – falls es einen Stau gäbe oder ich keinen Parkplatz finden würde. Ich wollte kein zweites Mal vermeidbare Fehler begehen. Letztlich erreichte ich das Prüfungsgebäude so als einer der ersten 外国人们, wohingegen vor Ort bereits einige augenscheinlich chinesische Männer und Frauen beschäftigt waren.

Mich beschäftigte hingegen zunächst nur meine Aufregung. Mein Puls war ungewohnt hoch, was laut meiner Garmin-Uhr ebenso für mein Stresslevel galt. Die Daten entsprachen in jedem Fall meiner Gefühlslage.

Im Flurbereich zwischen den Prüfungszimmern kamen immer mehr Nicht-Asiaten hinzu, die offenbar zum Teil ihren chinesischen Lehrern begegneten. Man kannte sich, und einige Personen führten auch Gespräche auf Chinesisch – bei denen jedes Wort, das ich nicht verstand, mich verunsicherte. Bin ich so schlecht oder die anderen einfach nur weiter als ich?

Zu sechst zum HSK-3-Test

Ich versuchte, mir nicht zu viele Gedanken darüber zu machen, und war dankbar, als die Prüfung endlich begann. Ich ging zum entsprechenden Raum, und wie sich herausstellte, sollten wir an diesem Tag sechs Prüflinge sein, die die HSK-3-Prüfung ablegen wollten. Neben zwei asiatischen Teilnehmern, die beide noch minderjährig waren, nahmen drei weitere Personen teil, die ich optisch als Studenten eingeschätzt hätte. Ich war also buchstäblich der alte weiße Mann an diesem Tag.

Doch noch bevor der Test startete, gab es schon die erste Prüfung für die eigene Aufregung: Die HSK-Antworten sollten nicht auf dem Prüfungsbogen eingetragen werden – wie ich es aus YouTube-Videos kannte – sondern auf einem separaten Bogen, auf dem zunächst Name, Prüfungsnummer und andere Grunddaten einzutragen waren.

Nachdem dies erledigt war, ging es schließlich los. Die Bögen wurden ausgeteilt, die beiden anwesenden Prüfenden vergewisserten sich, dass es allen gut ging, und mit dem Start der Prüfung erklang die bereits aus den Apps vertraute Phrase: 大家好!欢迎参加HSK三级考试。

Zeit ist relativ

Zeit ist bekanntlich relativ: Während fünf Minuten warten eine Ewigkeit sein können, vergehen fünf Minuten Prüfung wie im Flug. Bei den Probeläufen in den Apps hatte ich stets ein deutliches Zeitpolster – diesmal jedoch nicht. Nach dem Hörteil wurden grobe Zeitfenster für das Lesen und Schreiben angeschrieben, wobei bereits gesagt wurde, dass man auch früher zum Schreiben übergehen könne.

Ich fühlte mich wie ein Kandidat bei „Wer wird Millionär“: Zu Hause auf dem Sofa ist es leicht, die Fragen zu beantworten. In der Echt-Situation zweifelt man deutlich mehr.

Das führte dazu, dass ich die vorgesehene Zeit für den Leseteil fast vollständig benötigte, bevor ich zum Schreiben überging. Mir war klar, dass Schreiben mit Bleistift etwas anderes ist, als auf dem Handybildschirm Zeichen zu ziehen oder mit Pinyin Buchstaben einzugeben. Zwei-, dreimal hatte ich dies geübt – was mich jedoch nicht davor bewahrte, beim Abschlussteil eine kurze Blockade zu haben. Diese löste sich glücklicherweise noch rechtzeitig.

你的中文不错

Im Anschluss an den schriftlichen Teil stand die mündliche HSKK-Prüfung an. Ich hatte zuvor gedacht, dass diese in einer abgeschotteten Kabine stattfinden würde. Doch bereits bei meiner Ankunft hatte ich keine solchen Kabinen gesehen – wie sich herausstellte, wurden mehrere Prüflinge gleichzeitig in einem Raum platziert, um an einzelnen Rechnern ihre Prüfung abzulegen.

Ich wartete mit zwei anderen Erwachsenen im Raum. Der eine studierte Bilingual und benötigte den Test für einen Auslandsaufenthalt in China. Der andere hatte eine chinesische Frau und lernte am Konfuzius-Institut. Wir alle hatten die HSK-1- und HSK-2-Prüfung übersprungen.

Während wir warteten, sprach eine Aufseherin den Konfuzius-Institut-Schüler an – sie war seine Dozentin gewesen. Mich wiederum kannte niemand, und so wurde ich auf Chinesisch in ein Gespräch verwickelt. Dieses verlief ausgesprochen gut und brachte mir das Kompliment der Dozentin ein, dass mein Chinesisch nicht schlecht sei. Auf meine Gegenreaktion, dass dies vermutlich eine Höflichkeit sei, wurde mir versichert, dass es ernst gemeint sei. Ich fühlte mich jedenfalls recht konversationssicher.

Dreistimmig im HSKK-Test

So gut das Gespräch verlief, so sehr merkte ich gleichzeitig, wie mein Gehirn langsam müde wurde. Einen Test zu bewältigen und dann noch 20 bis 30 Minuten konzentriert Chinesisch zu sprechen, ist etwas anderes, als mit Apps kleine Übungseinheiten zu absolvieren. Einer der Mitstreiter scherzte noch, wir sollten nicht unser ganzes Pulver verschießen – und ganz Unrecht hatte er nicht.

Zu dritt ging es schließlich in den Prüfungsraum, wo wir jeweils vor einen PC gesetzt wurden. Der generelle Ablauf war mir aus YouTube-Videos bekannt. Der Umstand, gleichzeitig mit zwei weiteren Personen laut sprechen zu müssen, war allerdings irritierend, da es im Chinesischen bekanntlich nicht nur auf eine Wortsilbe, sondern auch deren Betonung ankommt.

Nach dem Nachsprechen und kurzen Antworten wartete der freie Redeteil. Ich hatte bereits beim Nachsprechen zwei Sätze nicht verstanden und sagte entschuldigend: „我听不懂“. Auch bei einer offenen Frage war ich zunächst unsicher, ob ich sie richtig verstanden hatte – was mich hemmte, ausführlicher zu antworten. Gleichzeitig fiel mir auf, dass die anderen beiden Prüflinge sehr schnell fertig waren. Während ich zu Hause locker eine Minute auf Chinesisch als Reaktion auf ähnliche Fragen reden konnte, hatte ich nun das Gefühl, wir würden uns gegenseitig anschweigen. – Dieser Prüfungsteil hätte deutlich besser verlaufen können!

Nach 500 Tagen Chinesischlernen – das HSK-3-Ergebnis

Nach der Prüfung hieß es: einen Monat warten. Ich lernte weiter meine Vokabeln, hörte Podcasts, nahm am Einzel-Online-Unterricht teil. Zunächst überwog die Erleichterung, den Test hinter mir zu haben. Doch als ich nach drei Wochen feststellte, dass die Ergebnisse erst in der darauffolgenden Woche veröffentlicht würden, stieg die Ungeduld.

Täglich loggte ich mich ein, um zu schauen, ob die Ergebnisse vielleicht doch schon früher online waren. Tagelang Fehlanzeige. Eine Webseite verwies auf den kommenden Dienstag, was mich nicht daran hinderte, mich auch Sonntag und Montag einzuloggen.

Am Montag war es dann soweit. Statt der üblichen Meldung, dass nichts hinterlegt sei, erschienen meine Ergebnisse:

Bestanden – mit 248 von 300 Punkten im schriftlichen Teil und 72 von 100 Punkten im mündlichen Teil. Kein Spitzenergebnis, aber in Anbetracht der Umstände und Vorbereitung war ich absolut zufrieden. Letztlich bleibt die HSK-3-Prüfung für mich – wie eingangs erwähnt – nur eine Zwischenetappe auf diesem Marathon. Dennoch empfinde ich eine gewisse Zufriedenheit, nach genau 500 Tagen Chinesischlernen diese kleine Hürde genommen zu haben. 加油!

3 Antworten zu „Meine HSK3-Prüfung nach weniger als 500 Tagen Chinesisch“

  1. […] rund 50 Folgen ist das verwendete Vokabular bewusst einfach gehalten, sodass man mit einem soliden HSK3-Fundament gut folgen kann, ohne dass der Inhalt banal wäre. Gleichzeitig ist die Sprechgeschwindigkeit zu […]

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  2. […] dass ich mich erstmals einem HSK-Test gestellt hatte und damals die dritte Stufe bestand. Knapp 500 Tage Lernprozess waren damals vergangen, wobei insbesondere das erste Jahr viele Tage hatte, an denen nur hastig […]

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  3. […] – oder gerade deswegen, ich weiß es nicht – bestand ich in der ersten Jahreshälfte meine HSK-3-Prüfung. Ich kann mich noch gut an das Gefühl während der Prüfung […]

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