Dezember 2025: Alte Vorsätze erfüllt, neue getroffen

Der Dezember 2025 ist vergangen und damit auch das erste Jahr dieses kleinen Blogs, den ich in erster Linie für mich selbst begonnen habe. Das öffentliche Selbstgespräch sollte mir als Motivation und Dokumentation meines Lernprozesses dienen, der in den vergangenen Monaten wie erwartet durch Aufs und Abs geprägt war. Obwohl insbesondere der Dezember vom derzeit größten Motivationsloch beeinflusst wurde, war der Monatsabschluss umso versöhnlicher. Darüber hinaus habe ich mein selbst gestecktes Jahresziel erreicht, was Anlass genug ist, mich 2026 weiter vorzuwagen.

Man lernt eine Sprache nicht stumm

Wir Menschen sind schlecht darin, Zeit einzuschätzen und beispielsweise die Vergangenheit korrekt in Erinnerung zu behalten. Hätte ich meine Gedanken in den vergangenen Monaten nicht in diesem Blog dokumentiert, würde es mir deutlich schwerer fallen, nachzuvollziehen, ob und welchen Fortschritt ich gemacht habe. Selbstverständlich kann ich anhand meiner Apps nachvollziehen, wie viel Zeit ich investiert habe oder wie viele Vokabeln gelernt wurden. Dennoch bleibt das Ganze irgendwie abstrakt.

Ich kann mich – zugegeben nicht so klar, wie ich es mir wünschen würde – daran erinnern, dass ich zu Beginn von 2025 das Bewusstsein entwickelt hatte, bislang zu passiv und zu stumm gelernt zu haben. Mein Chinesischlernen konzentrierte sich bis dahin insbesondere auf das Lernen von Vokabeln und das Arbeiten mit einzelnen HSK-Apps. Vereinzelt las ich Texte in der Du Chinese App, mit der ich jedoch nie so ganz warm wurde.

Das Hören, Sprechen oder selbst Schreiben wurden hingegen in den ersten zehn Monaten des Lernens fast gänzlich vernachlässigt. Dass dies nicht zum Erlangen von Sprachkompetenz ausreicht, wurde mir spätestens durch den zusätzlichen Einzelunterricht bewusst, in dem ich stets Schwierigkeiten hatte, einfache chinesische Sätze allein durch Hören zu verstehen oder selbst zu formulieren. Hieran wollte ich 2025 etwas ändern – was ich tatsächlich auch tat.

LingQ und 茶歇中文

Ich begann bereits Ende 2024 damit, meine Apps aufzuräumen und bewusst Möglichkeiten für das aktive Anwenden der Sprache zu finden. Dass dies ein Prozess werden sollte, der über das gesamte Jahr hinweg nicht geradlinig verlaufen würde, war mir vermutlich auch bereits vor zwölf Monaten bewusst. Dennoch gab es Puzzleteile, die mich zum Teil auch ins Jahr 2026 begleiten werden.

Einen großen Anteil machte hierbei LingQ als Lern-App aus. Nachdem ich 2024 bereits einen Versuch gestartet hatte und keinen Zugang dazu fand, versuchte ich es 2025 erneut und hatte dieses Mal den Vorteil, bereits einen gewissen Grundstock an Vokabeln zu kennen, was in den ersten Tagen entsprechende Erfolgserlebnisse erzeugte. Gleichzeitig war das Bewusstsein vorhanden, mehr Zeit in das Sprachenlernen investieren zu müssen, sodass es dieses Mal keine zu großen Hürden gab.

Über LingQ stieß ich auf den Podcast 茶歇中文, der mir einen interessanten Einstieg ins aktive Hören und später auch ins Shadowing ermöglichte. Ich weiß nicht, wie meine Chinesisch-Reise ohne diese Podcast-Reihe verlaufen wäre, aber ich weiß, dass sie einen Großteil meiner Lernzeit in den ersten Monaten des Jahres einnahm. Nach und nach öffnete ich mich neuen Inhalten und begann, angepasste Hörinhalte auch beim ersten Hören ohne vorheriges Lesen des Skripts zu verstehen.

Irgendwo im Nirgendwo: Das Leben zwischen HSK 3 und HSK 5

Das Sprechen bestand zunächst vor allem aus dem Vorlesen von 茶歇中文-Skripten, während ich beim aktiven Schreiben schnell an zu große Frustrationsgrenzen stieß und dieses pausierte. Dennoch – oder gerade deswegen, ich weiß es nicht – bestand ich in der ersten Jahreshälfte meine HSK-3-Prüfung. Ich kann mich noch gut an das Gefühl während der Prüfung erinnern.

Gleichzeitig ist es aus heutiger Sicht kaum vorstellbar, dass dieser Inhalt für mich damals fordernd war. Wenn man so möchte, ist dies rückblickend in jedem Fall ein Anker, an dem ich meinen Fortschritt festmachen kann, ohne genau benennen zu müssen, wann dieser stattfand. Das ist wohl eines der Probleme von Veränderung: Sie findet in der Regel kontinuierlich und nicht plötzlich oder intensiv statt, sodass man während des Prozesses oft gar nicht wahrnimmt, wie – oder dass – es weitergeht.

Ähnlich ergeht es mir auch heute, am 01.01.2026. Ich befinde mich irgendwo zwischen HSK 3, den ich bestanden habe, und HSK 5, aus dem ich bereits knapp 200 Vokabeln gelernt habe. Ich lese Texte auf diesem Niveau, höre Audioinhalte auf Intermediate-Niveau (was auch immer das konkret bedeutet) und übe gezielt das Sprechen und Schreiben.

Während Letzteres auf einem unteren B1-Niveau liegt, hinkt das Sprechen in meiner Wahrnehmung derzeit am meisten hinterher. Ich bin nicht auf den Mund gefallen und habe kein Problem damit, Worte und Sätze zu produzieren, kann aber manchmal selbst nur schwer einschätzen, wie verbesserungswürdig meine Aussprache ist. Dass sie es ist, ist mir bewusst – ebenso wie die Tatsache, dass das aktive Abrufen der richtigen Grammatik weiterhin eine Baustelle darstellt.

Vorsätze für 2025 erreicht – Zeit für neue

Meine Vorsätze für 2025 waren klar, aber überschaubar. Ich wollte HSK 3 bestehen und mindestens 1.000 neue Wörter erlernen. Gemäß meiner Skritter-Statistik wurden es 1.335 Wörter, sodass beide Punkte erfüllt wurden. Die wirklichen Baustellen bzw. die entscheidenden Fortschritte lagen jedoch woanders, wie ich bereits dargestellt habe. Aus diesem Grund habe ich mir in den vergangenen Wochen Gedanken über meine Vorsätze für 2026 gemacht.

Ich habe mich entschieden, mir bewusst „große“ Vorsätze vorzunehmen, die nicht ohne Weiteres erfüllt werden können. Ich versuche, diese weniger als Druck, sondern vielmehr als treibende Motivation für mein Zukunfts-Ich zu sehen, das hoffentlich in einem Jahr erneut einen Rückblick schreiben wird, weil der Chinesisch-Lernprozess stetig fortgesetzt wurde.

Ich möchte 2026 Folgendes erreichen:
(1) das HSK-5-Vokabular durcharbeiten (Stand heute fehlen mir noch 1.055 Wörter),
(2) insgesamt 1.200 Stunden ins Lernen investieren,
(3) die HSK-4-Prüfung bestehen,
(4) schriftlich das B1-Niveau stabilisieren und mich in Richtung B2 bewegen,
(5) einfache Fernsehserien wie 家有儿女 oder iPartment auch ohne chinesische Untertitel verstehen können.

Insbesondere den letzten Punkt kann ich kaum einschätzen. Klar, an Lernende angepasste Sprache stellt für mich kein Problem mehr dar. Natürliche Sprache, die nicht als Podcast gezielt ins Mikrofon gesprochen wird, ist hingegen weiterhin eine große Baustelle, der ich mich im Dezember vorsichtig zu nähern begonnen habe.

Dezember 2025: Wie wäre es mit dem Lernen einer anderen Sprache?

Eingangs schrieb ich bereits, dass ich im Dezember das bislang wohl größte Motivationsloch hatte, an das ich mich erinnern kann. Im November sprach ich schon davon, das tägliche Wettrennen manchmal verloren zu haben. Im Dezember gab es einige Tage, an denen ich mich fragte, ob es überhaupt Sinn ergibt, an den Start zu gehen. Ich lernte weiterhin mein „Minimum“, aber nicht darüber hinaus. Auch wenn mir in diesen Momenten bewusst war, dass solche Phasen länger andauern können, war es aufreibend, dies dieses Mal über mehr als nur ein oder zwei schlechte Tage hinweg zu erleben.

Meine Lösung bestand darin, mit einer anderen „Sprache“ zu beginnen. Anstatt mich unnötig an Chinesisch aufzureiben, beschäftigte ich mich mit Python. Mein sehr grundlegendes Verständnis von Programmiersprachen bescherte mir in den ersten Tagen den Endorphinschub, den mir Chinesisch verwehrte, den ich jedoch brauchte. Nach einer Woche wendete sich das Blatt: Ich legte Python wieder beiseite und hatte die notwendige Energie für Mandarin zurückgewonnen.

Letztlich mündete dies sogar darin, im Dezember fast wieder das Lernniveau aus dem Oktober erreicht zu haben. Insgesamt wurden es 7.427 Minuten, wobei ich insbesondere beim Schreiben mehr Zeit als in den beiden Vormonaten investierte. Vorsichtig geschätzt (mir fehlt die klare Dokumentation bis 06/2025) müsste ich damit bislang knapp 1.300 (mal mehr, mal weniger produktive) Stunden ins Chinesischlernen investiert haben.

Zudem begann ich erneut damit, chinesische Serien für Native Speaker zu schauen. Im Juli war ich noch an einem ersten Versuch abgeprallt. Dieser zweite Versuch war keinesfalls ein Selbstläufer, fühlte sich jedoch zumindest besser an – auch wenn es weiterhin spürbare Arbeit bleibt.

Das ist vielleicht auch das Fazit für 2025: Das Erlernen einer Sprache bedeutet Arbeit, wenn man es wirklich ernst meint – wie alles im Leben, was von Wert ist. Arbeit kann dabei Spaß machen (und sollte es auch). Diesen hatte ich insgesamt, ebenso wie ein langfristiges Ziel. Ich möchte weiterhin Chinesisch auf ein ähnliches Niveau wie mein Englisch bringen, auch wenn diese Reise 2026 keinesfalls ihr Ende finden wird.

Eine Antwort zu „Dezember 2025: Alte Vorsätze erfüllt, neue getroffen“

  1. […] Die ersten Tage des Jahres 2026 liegen hinter uns, und meine guten Vorsätze werden in gewisser Weise bereits auf die Probe gestellt. Nachdem ich mir ursprünglich für das aktuelle Jahr vorgenommen hatte, die HSK-5-Vokabeln vollständig zu lernen, gab es im Januar nun die lang verzögerte Meldung: Noch in diesem Jahr wird die HSK-Prüfung umgestellt! Gleichzeitig brachten mich die Lerneindrücke im vergangenen Monat zum Nachdenken über meine selbst gesetzten Ziele. […]

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