Es ist noch nicht allzu viele Tage her, dass ich mich erstmals einem HSK-Test gestellt hatte und damals die dritte Stufe bestand. Knapp 500 Tage Lernprozess waren damals vergangen, wobei insbesondere das erste Jahr viele Tage hatte, an denen nur hastig eine App-Streak aufrechterhalten wurde, anstatt ernsthaft zu lernen. Mit Beginn dieses Jahres hatte sich dies geändert, und schon vor Bestehen des HSK-3-Tests begann ich, die ersten HSK-4-Vokabeln zu lernen. Dieser Prozess ist im Oktober 2025 nun das erste Mal durchlaufen, auch wenn ich weiterhin mit dem HSK-Konzept fremdele.
Das HSK-Konzept und ich werden wohl keine Freunde mehr
Wer sich mit dem Chinesischlernen intensiver auseinandersetzt, wird selbst längst wissen, dass das HSK-2.0-Modell längst einen Nachfolger erhalten hat, der bizarrerweise bis heute noch nicht abgeprüft wird. Die Frage, welches Modell man lernen sollte oder ob man sich überhaupt hieran orientieren will, hat sich spätestens in dem Moment beantwortet, wenn man sich dafür entschieden hat, einen Prüfungsnachweis ablegen zu wollen. Es bleibt aktuell nur die Möglichkeit, an den alten 2.0-Tests teilzunehmen.
Während ich zu Beginn meiner Lernreise noch ehrfürchtig auf manch eine Person geschaut habe, die im Internet davon berichtete, sich mitten in HSK 4 zu befinden oder dieses vielleicht sogar bereits bestanden zu haben, ist dieses Gefühl längst verflogen. Ich selbst nahm es so wahr, dass mit HSK 4 die Sprache so langsam „Spaß“ machen würde, da man erstmals „Dinge zum Ausdruck bringen konnte“. Nachdem ich das gesamte Vokabular einmal durchgearbeitet habe, muss ich allerdings ebenso feststellen, dass viel unnützer Ballast vermittelt wird.
Viele Begriffe rund um das Berufsleben empfinde ich als fast schon nutzlos. Ich muss weder den Ausdruck „Klavier spielen“ beherrschen, noch brauche ich Wörter wie Radiergummi, Schauspieler oder Magazin. Und das sage ich als jemand, der über zehn Jahre Klavierunterricht hatte.
Gleichzeitig empfand ich HSK-4-Lehrbuchtexte – wie schon bei der vorherigen Stufe – als „staksig“. Insbesondere im Kontrast zu sonstigen Inhalten, die ich lese und höre. Ob dieses Urteil gerechtfertigt ist, sei einmal dahingestellt. Letztlich ist es aber mein persönlicher Eindruck als Lernender.
B1 trotz HSK 4
Auch wenn ich mir sicher bin, den HSK-4-Test inzwischen ebenfalls bereits bestehen zu können und erste Probeaufgaben, die ich löste, mich in diesem Gefühl bestätigten, habe ich mich bewusst dazu entschlossen, noch nicht in diesem Jahr den HSK-4-Test zu machen. Der Grund hierfür ist insbesondere der, dass ich besser als im Frühjahr abschneiden will. Ich hatte den HSK-3-Test nicht nur knapp bestanden, aber die Prüfungssituation dennoch als stressig wahrgenommen und möchte bei HSK 4 entspannter zu einem besseren Ergebnis kommen. Zudem habe ich keinen zeitlichen Druck, die Prüfungsleistung als Zugang zu etwas vorlegen zu müssen.
Bis dahin ist mein Plan derzeit so, dass ich weiter neue Vokabeln lerne und gleichzeitig meine aktiven Fähigkeiten verbessere. Das Tagebuchschreiben, das ich im August begann, hilft mir weiterhin, Strukturen zu verinnerlichen. Gleichzeitig habe ich im Oktober weiterhin Grammatikübungen gemacht, um aktiv bestimmte Strukturen ins Chinesische übersetzen zu können und diese nicht nur passiv zu erkennen.
Auch wenn dies für den HSK-Test nur sehr begrenzt notwendig ist, stellt es in meiner Wahrnehmung doch eine wichtige Grundlage dar, um die Sprache auch selbst anwenden zu können. Gleiches gilt für das Hören und Sprechen, was mir zunehmend leichterfällt. Insbesondere bei der Hörfähigkeit habe ich langsam das Gefühl, dass ich auch natürlichen Sprechgeschwindigkeiten folgen kann, meine Vokabelkenntnis aber inzwischen eine Barriere ist, wenn mir der Kontext nicht bekannt ist.

Ich bin nach meiner Wahrnehmung inzwischen tatsächlich auf B1-Niveau nach CEFR-Rahmen angekommen, auch wenn ich dies ebenfalls nicht mit HSK 4 gleichsetzen würde. Mit Skritter habe ich bislang über 2.000 Wörter gelernt, wobei ich passiv (und im Kontext) noch mehr verstehe, und habe mich insbesondere beim Hören bewusst nicht auf „HSK-graded“ Inhalte konzentriert, sondern auf comprehensible input. Hätte ich mich stur in der „HSK-4-Blase“ aufgehalten, wäre mein Sprachniveau schlechter!
Fortschritt statt Perfektion eines Plateaus
Doch auch wenn ich vor wenigen Monaten noch ehrfürchtig gelesen hatte, welche Kompetenzen für ein B1-Sprachniveau vorhanden sein müssten, ist dies nur eine Zwischenstufe. Dasselbe Gefühl habe ich aktuell mit B2, das für mich unfassbar weit entfernt erscheint, doch ich erinnere mich eben noch gut, dass ich dasselbe Gefühl noch vor einem halben Jahr auch in Bezug auf B1 hatte.
Ich mache weiterhin Fehler, doch anstatt meine Zeit damit zu verschwenden, mein bisheriges Niveau zu perfektionieren, gehe ich bewusst den nächsten Schritt. Alles, was wichtig ist, wird mir wieder begegnen, sodass ich genügend Gründe haben werde, dies zu festigen. Was nicht wichtig ist, muss ich mir nicht einprägen.
So ist es nett zu wissen, dass man im Deutschen „Klavier spielen“, „draußen spielen“ und „Ball spielen“ kann, was im Chinesischen je nach Ballart gänzlich unterschiedliche Verben sind. Doch solange ich keine Grundsatzdiskussion darüber führe, ob man während des Klavierspielens gleichzeitig Pingpong oder Fußball spielen kann, ist es für mein Leben ebenso nutzlos. Soweit ich die Didaktik des Sprachenlernens inzwischen verstanden habe, ist dieser mir „richtig“ vorkommende Weg auch der in der Regel empfohlene.
Neue Lernmethoden im Oktober
Dennoch oder gerade deshalb bin ich weiterhin dabei, meine Lernmethoden zu reflektieren und anzupassen. Die App CPAIT blieb im zweiten Anlauf ein Begleiter in meinem Lernprozess. Darüber hinaus habe ich im Oktober sehr viel mehr Unterricht genutzt. Einen großen Anteil der Zeit machte dabei tatsächlich Präsenzunterricht aus. Ich hatte mich für einen HSK-4-Kurs angemeldet, im Bewusstsein, das Vokabular zu kennen und die HSK-4-Bücher nicht zu mögen.
Das Ganze wurde durch das Konfuzius-Institut in Hannover angeboten. Ich hatte zuvor keine wirklichen Vorstellungen vom Unterricht, aber kann mir letztlich nur eine Meinung bilden, wenn ich eigene Erfahrungen mache. Der Kurs begann Mitte Oktober. Am ersten Tag kam ich gleich etwas zu spät. Während in dem einen Raum ein asiatischer Mann, ein südeuropäischer Mann und eine europäische Frau saßen – was auch eine Besprechung hätte sein können –, waren im Nebenraum über ein Dutzend junge und alte Menschen hinter Schulbänken versammelt.
Die Lehrerin winkte mich herein, ich nahm an einem der hinteren Tische Platz, die noch frei waren, und war zunächst überrascht, warum Pinyin-Silben an die Wand projiziert wurden. Aufwärmübungen zum HSK-4-Programm? Doch schon kurz darauf war mein Name nicht auf der Teilnehmerliste zu finden, und auch meine Frage, ob dies der HSK-4-Kurs sei, wurde verneint. Ich saß im parallel stattfindenden HSK-1-Kurs. Die drei Personen im Nebenraum waren der HSK-4-Unterricht. Offenbar ist es tatsächlich so, dass viele Sprachlernende ihre Reise gar nicht erst so weit führen.
你的中文很好
Diesen Satz wird jeder Chinesischlernende früher oder später zum ersten Mal hören, und er wird einen vermutlich für immer begleiten. Ich selbst tue mich damit schwer, mein eigenes Niveau einzuschätzen. Zwar habe ich inzwischen in den letzten 18 Monaten exakt 150 Einzelunterrichtsstunden online genommen, aber mich noch nie nach einer Einschätzung meiner Lehrerin getraut zu fragen. Zumindest hat sie mich bislang mit der oben genannten Floskel verschont.
Gleichzeitig merke ich aber selbst im Umgang mit verschiedenen Apps, dass meine Aussprache offenbar besser wird, ich inzwischen komplexere Audioinhalte verstehe und nachvollziehen kann, in diesem Jahr über 1.000 neue Vokabeln bei Skritter gelernt zu haben. Mein Chinesisch ist weit davon entfernt, gut zu sein, aber es ist zumindest nicht viel schlechter als das manch anderer Lernender.
So merkte ich schnell in dem kleinen Kurs, dass die drei anderen Lernenden noch nicht so weit waren wie ich, obwohl zwei von ihnen theoretisch den Vorteil haben, zu Hause mit dem Partner Mandarin sprechen bzw. üben zu können. Dennoch war unser Lerntempo und vor allem das Streben, die Sprache zu beherrschen, unterschiedlich ausgeprägt. Während ich nach dem ersten Unterricht noch eine gewisse Euphorie empfand, zumindest mit echten Personen in den regelmäßigen Sprachaustausch zu kommen, legte sich dieses Gefühl schnell.
Auch im Oktober mehr als 100 Stunden Lernen
Insgesamt dreimal nahm ich am Unterricht teil und – so viel sei schon einmal verraten – habe dies im November nicht fortgesetzt. Ich habe für mich festgestellt, dass ich diese zwei Stunden Unterricht, zu denen noch An- und Abfahrtszeit kommen, effektiver für meine Bedürfnisse nutzen kann.
Das ist keine Kritik am Konfuzius-Institut oder eine Bewertung der anderen Lernenden. Für mich war der starre Unterricht nicht die Lernform, die mich in gleichem Maße weiterbringt wie das Investieren dieser Zeit in gezielte Übungen – unabhängig davon, dass diese den Vorteil bieten, nicht an einen festen Termin gebunden zu sein.

So lag mein Lernpensum im Oktober erneut niedriger als im September, aber weiterhin fast doppelt so hoch wie noch im Juli. Mein Vorhaben, jeden Monat mindestens 100 Stunden Chinesisch zu lernen, konnte ich auch im Oktober mit fast 135 Stunden deutlich erfüllen. Während ich beim Hören und Sprechen das Zeitinvestment halten konnte, gab es vor allem beim Schreiben und Lesen kleine Einbußen, wobei ich insbesondere beim Schreiben sagen würde, dass die Übungsqualität besser wurde, da ich gezielter an meinen Schwächen arbeite.
Diese wiederum sind noch groß genug, dass auch in den kommenden Monaten noch viel vor mir liegt. In diesem Sinne: 笨鸟先飞!






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